Aktuelle Lage und Erinnerung an den 5. Jahrestag des Erdbebens

Liebe Freunde des Klosters Serlo und Unterstützer des Freundeskreis Serlo e.V.,

seit dem 20. März 2020 gibt es in Deutschland drastische Ausgangsbeschränkungen, die unser Leben massiv beeinflussen. In nahezu allen Ländern der Welt gelten mehr oder weniger strenge Einschränkungen des täglichen Lebens. Auch unsere Freunde in Nepal sind davon betroffen.
 

48 an COVID-19 Erkrankte in Nepal (John-Hopkins-Institut 24.04.2020). Das sind vergleichsweise geringe Fallzahlen, wenn man diese mit den Zahlen vom 24.04.2020 in Deutschland (153.129) vergleicht. Aber: es werden praktisch keine Virustests durchgeführt und die Gesundheitsverwaltung in Nepal ist nicht mit europäischen Standards vergleichbar. Die Maßnahmen, die die nepalesische Regierung ergriffen hat, sind strenger als bei uns. Es wurde eine strikte Ausgangssperre verordnet, die von der Polizei streng überwacht wird. Es scheint uns sonderbar, wenn die Polizisten auf den leeren Straßen patrouillieren und Menschen, die die Ausgangssperre brechen, mit großen Klammern in ein Polizeifahrzeug schieben. Dies ist ein Zeichen der Angst vor dem Corona-Virus. Die Regierung öffnet jeweils nur für ein bis zwei Stunden die Sperre, damit die Menschen einkaufen gehen können. Doch dabei ergibt sich unweigerlich eine Menschenmenge vor den Läden, so dass nicht alle die Möglichkeit haben, etwas einzukaufen.

Das Gesundheitssystem in Nepal ist in einem desolaten Zustand und außerhalb von Kathmandu erfolgt eine medizinische Notfallversorgung nur mit sehr begrenzten Mitteln. Beatmungsgeräte? Fehlanzeige. Und im Anschluss an eine Behandlung im Krankenhaus sind bei einem Krankenhausaufenthalt die Angehörigen für die Pflege und die Versorgung mit Nahrungsmitteln verantwortlich, denn dies ist keine Krankenhausleistung. Es gibt keine Krankenversicherung. Jede ärztliche Leistung ist bar zu bezahlen. Dies wird für die Menschen in Nepal immer schwieriger.

Viele Regionen im Himalaya wie Nepal, Bhutan, Tibet und Ladakh weisen zwar praktisch keine Corona-Infektionsfälle auf, aber trotzdem sind die Bewohner dort von der Krise sehr stark betroffen. Wer schon im Himalaya unterwegs war, der weiß, dass es in diesen Regionen neben dem Tourismus kaum Verdienstmöglichkeiten gibt. Die Regierung des Himalaja-Landes hatte am 13.03.2020 verkündet, nicht nur den Mount Everest, sondern ALLE seine Gipfel für Besteigungen zu sperren. Alle Expeditionen dieses Frühjahres sind ausgesetzt, alle Permits wurden annulliert. Derzeit sind praktisch keine Touristen im Himalaya. Daher sieht die finanzielle Lage für viele Guides, Köche, Helfer, Träger, Pferdetreiber wie auch Lodgebesitzer, Hotelangestelle, Fahrer und viele weitere im Tourismus tätige Personen äußerst prekär aus. Anders als in Deutschland gibt es in den Himalaya-Regionen weder Staatshilfe noch Arbeitslosengelder für die betroffenen Menschen.

Vor fünf Jahren, am 25. April 2015, war das erste große Erdbeben mit einer Reihe von schweren Nachbeben in den folgenden Wochen und offiziell knapp 8.800 Toten. Die Hoffnung war groß, dass in diesem Jahr die Touristenzahlen wieder den Stand vor dem Erdbeben erreichen werden. „Visit Nepal 2020“ lautete der Slogan der Kampagne des Tourismusverbandes. Abgesagt am 02.03.2020. Alle internationalen Flüge von und nach Nepal sind seit dem 22. März ausgesetzt. Es sind aktuell keine Einreisen möglich. Das Auswärtige Amt hat die folgende Meldung auf seiner Internetseite veröffentlicht: „Die Ausbreitung der Atemwegserkrankung COVID-19 führt auch in Nepal zu verstärkten Einreisekontrollen, Gesundheitsprüfungen mit Temperaturmessungen und Einreisesperren. Der internationale Flughafen in Kathmandu ist für alle kommerziellen ankommenden und abgehenden Flüge bis mindestens 30. April 2020 geschlossen. Grenzübergänge auf dem Landweg sind ebenfalls geschlossen. Es herrscht eine allgemeine Ausgangssperre im ganzen Land zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Für die Frühlingssaison 2020 sind keine Genehmigungen für Bergsteige-Expeditionen oder zum Trekking mehr erhältlich; bereits erteilte Genehmigungen können nicht verwendet werden. Die Einwanderungsbehörde ist seit dem 21. März 2020 entsprechend der Ausgangssperre geschlossen. Für Nepal wurde eine Rückholaktion für Reisende durchgeführt.“

Bedingt durch die Gefahr, dass das Corona-Virus auch das Kloster Serlo infizieren könnte, hat Rinpoche bereits am 20.03.2020 das Kloster für Besucher gesperrt. Bisher sind alle wohlauf. Der Tagesablauf besteht aus Studium, Arbeiten in der Landwirtschaft, Essen zubereiten und Beten für alle Menschen weltweit. Aber die Angst vor dem Virus und die Ungewissheit, was die Zukunft bringt, drücken auf die Stimmung. Die wirtschaftlichen Sorgen unserer Freunde in Nepal sind groß. Die ganze Welt ist betroffen. Wie wird es weitergehen?

Das Erbeben 2015 hat die Wünsche und Hoffnungen der Menschen in Nepal mit einem lauten Knall in Schutt und Staub gelegt. Das Corona-Virus jetzt kommt lautlos, hat aber die gleichen wirtschaftlichen Konsequenzen. Liebe Freunde, der Vorstand des Freundeskreis Serlo e.V. weiß um die schwierige Situation von Ihnen und uns allen in diesen Zeiten.  Wir bitten Sie eindringlich, auch weiterhin das Kloster Serlo und  die von Rinpoche betreuten Klöster in Bakanse, Gumdel und Pirbara  sowie alle von diesen Klöstern abhängigen Einwohner im Solu-Gebiet nicht zu vergessen und trotz der eigenen Sorgen tatkräftig zu unterstützen. Jede Spende geht direkt und ohne Verwaltungskosten an Rinpoche und hilft vielen Menschen in Nepal, die existenzbedrohende Pandemie zu überstehen. Geben wir unseren Freunden ein deutliches Signal der Solidarität.

Lassen Sie uns mit einem Wort des Dalai Lama enden: „Die Liebe und das Mitgefühl sind die Grundlagen für den Weltfrieden – auf allen Ebenen.“

Bleiben Sie gesund und Tashi Delek

Der Vorstand des Freundeskreis Serlo e.V.
Karl Frass
Vorstandmitglied Freundeskreis Serlo
Freundeskreis Serlo e.V.

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