{"id":97,"date":"2016-02-12T19:13:38","date_gmt":"2016-02-12T19:13:38","guid":{"rendered":"http:\/\/freundeskreis-serlo.org\/?page_id=97"},"modified":"2022-01-13T12:58:13","modified_gmt":"2022-01-13T12:58:13","slug":"ein-tag-im-kloster","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/?page_id=97","title":{"rendered":"Ein Tag im Kloster"},"content":{"rendered":"<p>Der Gong schl\u00e4gt, es ist etwa 5 Uhr morgens und der Tag beginnt. Allm\u00e4hlich kehrt das Leben zur\u00fcck und l\u00f6st die sanfte Stille der Nacht ab. Die Novizen ziehen ihre M\u00f6nchskutten an, schwingen ihre sss um und finden sich zum Z\u00e4hne putzen an den Waschgelegenheiten hinter der Gompa ein. Ein heiteres sonoriges Geplausche und Kichern macht Lust auf den Tag.<\/p>\n<p>Zwischen 5.30 Uhr und 6.00 Uhr beginnt die erste Puja. Erfahrene Novizen und M\u00f6nchen leiten die Gebete und Ges\u00e4nge an, tibetische Trompeten werden geblasen. Jede Puja hat ihren festen Ablauf, morgens wie abends. Nach wenigen Pujas geht einem der Rhythmus in Fleisch und Blut \u00fcber. Als Gast ist man jederzeit eingeladen dabei zu sein, die Zeit zur Meditation zu nutzen oder bei dem frischen freudigen Ablauf der Zeremonie vollends in den Tag zu erwachen. An kalten Tagen, eingepackt in Decken, die M\u00fctze tief ins Gesicht gezogen, bekommt man mit einem verst\u00e4ndnisvollen L\u00e4cheln eine Tasse hei\u00dfes Wasser gereicht und w\u00e4rmt dankbar seine H\u00e4nde daran. Es ist alles herrlich unkompliziert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein Teil f\u00fcr das spirituelle Wohlergehen sorgt, \u00fcbernehmen andere die Versorgung der Tiere oder bereiten das Fr\u00fchst\u00fcck zu. Eine frisch anger\u00fchrte Zampa gibt die Energie f\u00fcr den Tag. Auch die Zampa kommt aus Tibet und wird aus gemahlener und ger\u00f6steter Gerste hergestellt. Das Mehl wird mit gesalzenem Buttertee verr\u00fchrt, wenn man sich etwas g\u00f6nnen m\u00f6chte und kann, kommt noch ein L\u00f6ffel Butter und etwas Zucker dazu.<\/p>\n<p>Um 8.00 Uhr beginnt der Unterricht. Vorwiegend in buddhistischer und tibetischer Lehre, aber auch in Mathematik und English werden die Sch\u00fcler unterrichtet. Nicht selten \u00fcbernehmen ehrenamtliche Helfer aus Europa f\u00fcr einige Monate diese Aufgabe. Als traditionelles Mittagessen darf man Dhal Bat &#8211; ein Gericht mit Reis und Linsen, Kartoffeln und Gem\u00fcse &#8211; erwarten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-19\" src=\"https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Foto_August-300x225.jpg\" alt=\"Foto_August\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Foto_August-300x225.jpg 300w, https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Foto_August.jpg 564w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Ab 12.00 Uhr geht der Unterricht weiter \u2013 es sind insgesamt 8 Klassenstufen \u2013 oder es ist Zeit f\u00fcr Self-Studies. Vor Allem vor der Pr\u00fcfungszeit, die Mitte Dezember ist, sieht man die Novizen alleine oder in kleinen Gruppen lernen oder Gebete rezitieren; im Klosterinnenhof, die letzten Sonnenstrahlen einfangend, an der Stupa oder in ihren Kammern. Die Kleinsten sitzen im Speisesaal zusammen und \u00fcben gemeinsam die ersten Gebete. Feine Kinderstimmen sprechen und singen mantrenartig, die Lehre des Buddhas. Eine ansteckende und heitere Zufriedenheit und wohlige W\u00e4rme, wie nur Kinder es in die Herzen zaubern k\u00f6nnen, ergreift jeden. Ein Gef\u00fchl das man noch lange im Herzen tragen wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-28\" src=\"https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Titel_2_klein-300x215.jpg\" alt=\"Titel_2_klein\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Titel_2_klein-300x215.jpg 300w, https:\/\/freundeskreis-serlo.org\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Titel_2_klein.jpg 564w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Wer nicht im Unterricht ist, oder in den Self-Studies und lernt, hilft im kl\u00f6sterlichen Haushalt mit. Wiederaufbau- und Versch\u00f6nerungsarbeiten gibt es nahezu immer \u2013 das Kloster wird liebevoll gepflegt und versch\u00f6nert z. B. durch Malereien. Vor allem die Sonnenstrahlen des Morgens werden zum Trocknen von Mais, Gerste, K\u00fcrbiskernen oder Stroh genutzt. Verspricht der Tag Sonne, werden nach dem Fr\u00fchst\u00fcck aus den Lagerr\u00e4umen Planen geholt und im Klosterinnenhof ausgebreitet, um darauf das zu trocknende Gut auszubreiten. Nach ein paar Tagen sind Mais und Gerste trocken und somit bereit f\u00fcr die Lagerung oder f\u00fcr die Aussaat im kommenden Fr\u00fchjahr.<\/p>\n<p>Bereits gegen 15.30 Uhr zieht sich der Nebel im Tal zusammen und der Abend k\u00fcndigt sich an. Ein guter Moment sich in der Klosterk\u00fcche einzufinden. Es gibt Buttertee und Zampa f\u00fcr alle, die auf dem Feld gearbeitet haben. Mit dem w\u00e4rmenden Buttertee im Bauch, den man f\u00fcr den europ\u00e4ischen Geschmack mit etwas Wasser verl\u00e4ngern kann, zieht man sich in seinen Schlafsack zur\u00fcck, bis die abendliche Puja gegen 17.30 Uhr beginnt. Oder man bleibt in der Klosterk\u00fcche und schaut den teilweise sehr jungen Novizen beim Kochen zu und bestaunt, wie sei es schaffen, 100 Menschen zu versorgen und wie aus einfachsten Zutaten ein nahrhaftes und gut schmeckendes Abendessen entsteht. Man muss schon genau hinschauen, um zu sehen, wer von wem lernt und wer welche Rolle hat. Es ist nicht immer eine Frage des Alters.<br \/>\nIrgendwann ert\u00f6nt der Gong zu Puja. Nicht die Uhr sondern die Sonne und der Gong geben dem Tag den Rhythmus. Der n\u00e4chste Gong ruft zum Abendessen. Meist besteht es aus Reis, Kartoffeln und Dhal. Manchmal gibt es tibetische Momos, welche unglaublich k\u00f6stlich sind und es in ganz Nepal keine besseren zu geben scheint.<br \/>\nNachdem Abendessen ist f\u00fcr die Kinder nochmals lernen angesagt und gegen sp\u00e4testens 21.00 Uhr sind alle im Bett.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns G\u00e4ste wartet nach einer Tasse Tee oder hei\u00dfem Wasser eine warme Bettflasche mit der wir zufrieden in Richtung unseres Schlafsackes gehen. Auf dem Weg \u00fcberlegt man, was diese Nacht wohl die richtige Schlafkleidung ist. Mit oder ohne M\u00fctze, Handschuhe eher nicht, die H\u00e4nde sind im Schlafsack, aber mit zwei Paar Skiunterw\u00e4sche wird man wohl auch diese Nacht rechnen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die letzten kleinen Kinderf\u00fc\u00dfchen trampeln \u00fcber den Holzboden und zufrieden und satt erf\u00fcllt schlummern wir ein, mit dem Gedanken, dass man morgen vielleicht mal W\u00e4sche waschen k\u00f6nnte\u2026.<\/p>\n<p>Evelyn Hanser<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gong schl\u00e4gt, es ist etwa 5 Uhr morgens und der Tag beginnt. Allm\u00e4hlich kehrt das Leben zur\u00fcck und l\u00f6st die sanfte Stille der Nacht ab. 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